Grasbahn EM Semi 3 in Melsungen
02./03.08.2008

02.08.2008 16:19:55
Auf in ein turbulentes Rennen
Robert Baumann im Training
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Kurzfristige Änderungen

Die Reservisten Marcel Dachs und Robert Baumann erhielten am Trainingstag die Info, dass beide Fahrer fest ins Feld kommen würden. Dachs für Daniel Bacher, der für die EM gar nicht genannt hatte, so seine anwesenden Eltern in Melsungen, und Baumann für den an der Schulter verletzten Ukrainer Jaroslav Polychovic. Um aber dennoch wieder einen Reservisten zur Verfügung zu haben, wurde Nynke de Jong zur einzigen Standby-Fahrerin, nachdem Peppi Rudolph zwar zunächst zusagte und kurzfristig vom Willinger Grasbahnrennen aus nachts noch nach Melsungen kommen wollte, dies aber letztendlich doch absagte. Er verdrehte sich das Bein und musste auf den am Sonntagmorgen kurzfristig frei gewordenen Platz von Jason Bunyan verzichten. An seiner Stelle kam nun die junge in Deutschland lebende Niederländerin zum Einsatz, die durch das Warm up am Sonntagmorgen die Bahnverhältnisse erst kennenlernen konnte.

Was war mit Bunyan los?

Jeder fragte sich im Fahrerlager: Wo steckt der Bunyan? Vor allem der Delegierte der ACU Peter Gregory, der Bunyan nicht mal am Samstag zum Training motivieren konnte, war mehr als enttäuscht über diese personifizierte Nachnominierung bei diesem Semifinale für den immer noch verletzten Paul Hurry. Wie es am Sonntag hieß, habe sich seine Freundin nachts auf dem Weg vom Renngelände zu Fuss zurück zum Hotel wohl bei einem Sturz verletzt und wäre im Krankenhaus. Genauere Infos waren hierzu aber leider nicht mehr zu erfahren. Bunyan blieb der Veranstaltung fern.

Auf die Sekunde genau

Mit einer „Just-in-time-production“ kam Englandprofi Stephan Katt auf die Sekunde genau zur Fahrervorstellung auf die Bahn, nachdem man ihm und auch Bunyan die Zeit bis 13.00 Uhr (statt 12.30 Uhr) seitens des Referees Marek Wojaczek in Absprache mit der Jury und dem Veranstalter zur Präsentation eingeräumt hatte. Katt kam mit dem Flieger am Sonntagmorgen aus England und kam vom Flughafen von einen Stau in den anderen. Die Tatsache, dass er es dann aber dennoch schaffte, erklärte er nach dem Rennen: „4 km Standstreifen bei 120 km/h helfen manchmal, wenn der andere Verkehr steht.“

Anfang dieses Jahrtausends war der Kieler das letzte Mal in Melsungen, doch waren die Bahnverhältnisse damals völlig anders, nämlich ein Regenrennen. War es denn nun ein Nachteil für ihn, dass er weder am Training noch am Warm up teilnehmen konnte? „Die Bahn ist eine super coole Bahn. Training hin oder her, ich selber mag es eigentlich lieber so, wie ich es heute gemacht hab, denn dann mache ich mir nicht so viele Gedanken, passt da jetzt was nicht, muss ich ne andere Übersetzung oder ein anderes Motorrad haben oder was auch immer. In solchen Sachen musst du auf deinen Bauch hören“, so Katti einerseits mehr als zufrieden, andererseits doch etwas enttäuscht nach dem Rennen weiter.

Seine beiden Mechaniker Öse und Volli bereiteten das Motorrad auf alle Fälle so was von perfekt vor, dass Catman sich nur draufsetzten musste und damit zum Vorlaufsieger mit einem Punkt unter Maximum fuhr. Dass es am Ende dann aber doch nur Rang „nur“ Rang 5 in der Endwertung des A-Finales wurde, lag an dem Hinterachsenbruch eine halbe Runde vor der Zielflagge. „Ich habe im Finale die Außenbahn gewählt, obwohl ich von alle Bahnen für mich gleich gut waren, ich kam überall gleich gut aus den Bändern. Ich habe aber die Außenbahn gewählt, weil ich dann einen besseren Run außen rum gehabt hätte. Den hab ich auch gehabt, aber Mitte der Kurve habe ich durch den Bahndienst eine glatte Stelle erwischt, wodurch ich 1-2 Meter verloren habe und das mist in der ersten Ecke richtig viel. Dann fuhr mir Glen durch. Glen war vorne, ich dahinter und dann bin ich die Zielkurve mit Volldampf rein und hab dabei auch Meter gemacht, bekam aber einen Strahl und sah gar nichts mehr. Da hat mich Daniel auch noch überholt dabei – tja und dann ist die Achse gebrochen. Es war halt ärgerlich, ich hätte gerne mal wieder ein Rennen gewonnen – nicht nur in Holland, sondern auch in Deutschland, „ konnte der 28-Jährige dennoch lachen. Denn eines ist Gewiss: Er ist beim Finale in Siddeburen dabei und da werden die Karten neu gemischt.

Ebenfalls durch Ausfall gestoppt

Dass Katt trotz des Ausfall nicht Letzter des A-Finals geworden war, lag daran, dass der führende Glen Phillips bei der Anzeige der Flagge zur letzten Runde wegen Kettenriss ausfiel. Dass Glen aber überhaupt so gut unterwegs, glich einem Wunder. Denn am Freitagabend hatte er noch einen bösen Sturz beim Flutlichtrennen im niederländischen Staphorst und auch beim Training am Samstag zeigte er keinesfalls den Glen, den man eigentlich kennt. Geplagt von Schmerzen im Nackenbereich quälte er sich regelrecht durch das Trainingsprogramm.

Umso erstaunlicher war sein Auftritt dann am Sonntag, deren Vorläufe er hinter Katt als Zweitbester mit 18 Punkten beendete.

Überraschungssieg durch Rath

Wie man sich jetzt schon denken konnte, war nach dem Ausfall von Philips der Weg für Daniel Raths ersten richtig großen Sieg frei. Er wurde Sieger dieses 3. Halbfinals zur diesjährigen Europameisterschaft. Für Insider war es zwar auch eine Überraschung, doch zeigte der 29-Jährige Melsungen-Debütant, dass er mit ebenfalls 18 Vorlaufpunkten zu den besten des Tages gehörte. Auf die Frage, ob er mit diesem Sieg gerechnet habe, gab es einen sympathischen aber zunächst sprachlosen Blick. „Nein rechnen nicht. Mein Plan war das A-Finale, so wie letztes Jahr auch und ich hatte gehofft, dass ich gleich unter die ersten 4 komme. Alles weitere ergibt sich dann“ erklärte er anschließend.

Rath zu den Bahn- und Sichtverhältnissen

Wie waren denn aber die Bahnverhältnisse, besonders die starke Staubentwicklung selbst für ihn, der immer auf Rang 1 und 2 fuhr? „Ich sag mal so, die haben das Beste daraus gemacht – für den Fahrer auf alle Fälle. Es hat zwar gestaubt, doch besser so, als wenn zuviel Wasser drauf ist. Sie haben wirklich alles versucht mit kurzen Bahndiensten, das alles etwas zu binden und von daher fand ich, war es alles gut gemacht. Von aussen sah es durch die Staubentwicklung immer sehr schlimm aus, aber beim Fahren ging es eigentlich, weil sie ziemlich weitläufig ist. Von daher war es auf der Bahn nicht so schlimm, wie es von aussen ausgesehen hat.“

Musste aufs B-Finale hoffen

Zu den Trainingsschnellsten gehörte zweifelsohne Enrico Janoschka, der auch eine der Favoritenrolle spielen sollte. Er stand am Ende neben Rath auf dem 2. Rang und das mehr als verdient. Dennoch war es eine Nervensache, auch wenn es selber gewohnt cool und gelassen sah, als er nach dem Ausfall im ersten Heat in Führung liegend wegen Zahnriemenriss ins B-Finale musste. „Ich habe keine nervliche Belastung gehabt. Dass ich dadurch das A-Finale nicht mehr schaffe, war klar. Das Eigentliche war, das B-Finale gut bestreiten. Ich brauchte mich nicht neu motivieren. Es war klar für mich, dass ich im B-Finale fahre, so oder so und da durfte halt nichts passieren.“ Und das hat geklappt, nachdem Ricky nach seinem Ausfallpech zu Beginn noch 13 Punkte aus 3 Heats holte.

5 Deutsche und 2 Reservisten

Neben Richard Speiser (Platz 5 Semi 1 in La Reole) und Toni Kröger (Platz 4 Semi 2 in Noordwolde) sind mit Rath, Janoschka und Katt nun 5 DMSB-Vertreter beim Finale in Siddeburen am Start, das am 29.08 mit dem Training ab 16.00 Uhr und dem Finale am 30.08. gestartet wird. Aber auch die Reservisten werden mit Jörg Tebbe (Platz 7 in Nordwolde) und Robert Baumann (Platz 7 in Melsungen) vom DMSB gestellt.

Kennt den 2. Reserveplatz ja schon

Baumann, der als 2. Reservist nach Melsungen reiste, kam auf Anhieb mit dem Untergrund und dem Charakter der Bahn bestens zurecht. Er fuhr sich mit Vorlaufrang 7 und 12 Punkten sicher ins B-Finale und sah auch Chance, am ebenfalls stark fahrenden Rene Lehtinen (Vorlaufplatz 5 mit 15 Pkt) vorbeizuziehen. Robert hatte ab der 2. Runde im B-Finale aber einen Plattfuss. „Leider hatte ich den Plattfuss. René war so langsam, den hätte ich mit einer Hand überholt, aber na ja, egal. Er hat den Hahn zu doll zu gemacht, das ist das Problem gewesen und ich kam nicht vorbei, weil ich einen Platten hatte und immer innen durch musste. Das Ding war nur am Pfeilen“, so Robert, der sich dennoch in Siddeburen wiedersehen darf.

Finale komplettiert

Vladimir Trofimov, der zweitälteste Teilnehmer mit seinen 46 Jahren neben dem 62 (!) – jährigen Italiener Francetto Barbetta, der für Tschechien an den Start ging, hätte gerne mehr PS gehabt. Aber nicht im Motor, sondern in seinen Armen, wie sein Tuner Egon Müller lachend weitergab. Auch er qualifizierte sich mit 14 Laufpunkten direkt fürs A-Finale und stand nach dem spannenden A-Finale auf Rang 3 hinter Rath und Janoschka und vor Lehtinen und die beiden Ausfallpechvögel Katt und Phillips.

Die weiteren B-Finalisten

Nach dem sich Janoschka und Lehtinen, sowie Baumann als Reservist nach Siddeburen fuhren, beendeten Pavel Ondrasik, Marcel Dachs, der stark begann, aber nach einem Ausrutscher im 3. Durchgang wertvolle Punkte auf der Strecke ließ und am Ende deren 11 schrieb, und Jeremy Coste Lescoul das B-Finale auf den folgenden Plätzen.

Das C-Finale

Am C-Finale nahmen am Ende nur noch 4 Fahrer teil. Da Nynke de Jong und Maikel van der Helm mit je einem Punkt auf den Vorlaufplätzen 19 und 20 landeten, durften sie auch nicht die Finalplätze laut Regelwerk auffüllen. Markus Eibl trat nach einem Ausfall wegen Vergaserproblemen und Sturz in Führung liegend im 3. Durchgang nicht mehr an. Gabriel Dubernard musste sogar nach einem Sturz mit Pascal Swart mit dem Rettungshubschrauber in

eine Kasseler Klinik geflogen werden. Der Franzose schlug mit dem Kopf in die Bande ein und war kurzzeitig bewusstlos- Als reine Vorsichtmaßnahme wurde er fliegender Weise abtransportiert, nachdem man ihn über 30 min lang auf der Bahn notärztlich versorgte, bis er auch wieder zu sich kam. Die gute Nachricht kam dann noch vor den Finals: Gabs hat sich nichts Ernstes getan und konnte den Heimweg nach Frankreich noch am gleichen Tag antreten.

Bien Réhabilitation Gabs

Henry van der Steen gewann nach 9 Vorlaufpunkten das C-Finale vor Torben Praesgaard aus Dänemark (5), Pascal Swart (9), mit Problemen in der letzten Finalrunde, und dem Oldie Barbetta (3), der in einer Woche an der European Longtrack Serie der 4-Ventil-Klasse wieder in Melsungen an den Start gehen wird und den größten Respekt verdient, auch wenn er als Staubverursacher für manch Führenden kurz vor der Überrundung fuhr.

Action in der Seitenwagenklasse

Von den 6 genannten Gespannteams konnten ab dem 3. Durchgang nur noch 4 weiter im Meeting bleiben. In der Startkurve des 3. Umlaufes kamen Harald Mößmer und Jörg Levihn zu Sturz. Während beide noch glimpflich davon kamen (Harald riss sich eine Sehne im Mittelfinger – Jörg war okay) verletzte sich der Beifahrer von Markus Venus Florian Niedermeier bei dem Kontakt beider Gespanne so schwer am linken Arm, dass er nach der Ankunft am Fahrerlagertor vor Schmerzen zusammenbrach.

Seine Hand rutschte anscheinend ins Hintrerrad, was ihm dabei sogar den Handschuh auszog. Mit dem Arm fast bis zum Ellenbogen eingegipst kam er nach Rennende wieder zurück zum Stadion, doch wird er sich weiter in ärztlicher Behandlung begeben müssen, da neben dem Bruch auch noch Sehnenverletzungen vermutet werden.

Gute Besserung Floh

Als Sieger dieser Klasse durften sich Stefan Brandhofer und Stefan Peters ganz oben dem Podest präsentieren. In knallharten aber fairen Fights konnten sie u.a. Tommy Kunert mit Aushilfsbeifahrer Björn Fauske aus Norwegen mehrmals in Schach halten. Stefan gewann 2 der Outings und holte 3 zweite Plätze. Auch Tommy gewann 2 Heats, doch konnte er sich in den ersten 2 Läufen nach Aufholjagden nur auf Rang 3 im Ziel wiederfinden.

Rang 3 ging an Markus Brandhofer und Corinna Günthör, die dem Spitzenduo am ehesten folgen konnten und trotz Ausfall eine halbe Runde vor der letzten Zielflagge noch 3 Punkte ins Ziel schoben. Marco Hundsrucker und Peter Schirmer kamen als Letztes der übrig gebliebenen Teams auf Rang 4 in der Endwertung, während Venus / Niedermeier bei einem Laufsieg nach dem unglücklichen Ausscheiden Rang 5 und Mößmer / Levihn Rang 6 ernteten.

Ein Teufelsweib

Mit diesem Begriff beschrieb ein weiblicher Biker-Fan die Aufholjagd von Julia Frenk im letzten Lauf der B-Lizenz Solo. Und das, was sie in dem Moment zeigte, passte auch zum dem positiv gemeinten Begriff. Julia, die zuvor schon beide Heats mit teilweise schnelleren Zeiten als einige der EM-Laufsieger ins Ziel fuhr, fuhr auf Rang 4 in die erste Ecke rein und kam an der Spitze wieder heraus und machte dann wiederum Meter ohne Ende.

Klar, dass sie am Ende das Rennen gewann und das Nachsehen hatten Angel Eduardo Velasquez du André Daubert, der sich im Auftaktheat ausgangs der 1. Ecke in der Bande wiederfand, aber wieder hinterher fuhr, auf den Plätzen 2 und 3.

Friedrich Ruf, Nadine Frenk und Mike Todt komplettierten das Feld und fuhren die letzten Punkte ins Ziel.

Aufregung im letzten Lauf

Die bisherigen Seriensieger Imanuel Schramm und Bernd Kreuzer fanden in den ersten 2 Outings ihre Meister in Thomas Buss mit Helmut Gärtner. Im 3. und letzten Lauf ging es um den Tagessieg, den der Bodenseer anführte. Buss hätte Rang 2 zum Gesamtsieg gereicht, doch in der Zielkurve der 2. Runde verhakten sich beide, Schramm fuhr mit Kettenriss ins Innenfeld und der Referee Waldemar Möbus brach den Lauf – warum auch immer – ab. Er disqualifizierte Schramm, der es mit seiner klärenden Sichtweise dann soweit schaffte, dass der Referee, der Sportkommissar Josef Hukelmann sowie die betroffenen Immel und Thomas im Innenfeld gemeinsam die Sachlage klärten und die Disqualifikation wurde aufgehoben. Alle 6 Teams durften wieder ans Band.

Schramm / Kreuzer sicherten sich vom Start weg den Lauf- und Tagessieg, während Thomas Buss noch vorm Einlenken in die erste Ecke unter die Verkleidung griff und den Methanolhahn öffnete. Den Anschluss an das auf Rang 5 fahrende Team schafften sie zwar, blieben aber auf 6 im Ziel und Platz 2 auf dem Podest.

Achim San Milan, der wegen Beinverletzung auf seinen eigentlichen Beifahrer Christian verzichten musste, wurde durch den am Renntag 16-Jahre alt gewordenen und weiteren Bruder Rafael ersetzt. Sie schlossen das Rennen auf Rang 3 ab vor Maik Domscheit und Kristoffer Loch, die im Training einen Motor verheizten und auch im 2. Lauf vorzeitig aufgeben mussten. Mit einem beherzten Angriff sicherte er sich aber zumindest im ominösen Rerun den 2. Rang im Ziel und Platz 4 am Ende vor den Reservisten Wilfried Bänsch und Kathrin Wohnhas. Sie kamen für Achim Köhler und Richard Gründer ab dem 2. Durchgang ins Rennen, da sich Gründer wegen einer Rippenverletzung resultierend aus dem 1. Heat abmelden musste. Vater und Sohn Udo und David Poppe komplettierten das Ergebnis auf Rang 7.

Das EM-Ergebnis
Die Ergebnisse vom Rahmenprogramm